Was eine Olla ist

Olla ist das spanische Wort für Topf. Gemeint ist ein bauchiger Krug aus unglasiertem, gebranntem Ton mit schmalem Hals. Er wird bis zum Hals in die Erde eingegraben, mit Wasser gefüllt und abgedeckt. Weil der Ton porös ist, sickert das Wasser durch die Wand langsam in die umgebende Erde. Das Prinzip ist Jahrhunderte alt und stammt aus trockenen Regionen, in denen jeder Liter zählt. Im Hochbeet nutzt es vor allem eines: Die Pflanzen holen sich das Wasser dort, wo sie es brauchen, an der Wurzel.

So funktioniert der Wasserfluss

Die Olla gibt nicht ständig gleich viel ab. Ist die Erde trocken, zieht sie Wasser stärker durch die Tonwand; ist sie feucht, fließt fast nichts. Die Erde regelt den Nachschub also selbst, ähnlich wie ein Docht. Wurzeln wachsen gezielt auf den Krug zu und legen sich an die Wand. Die Oberfläche bleibt trocken, deshalb verdunstet weniger, Unkrautsamen keimen schlechter und Schnecken finden weniger feuchte Wege. Was unten ankommt, erreicht die Pflanze fast vollständig; beim Gießen von oben geht ein großer Teil durch Verdunstung und Abfluss verloren.

Größe und Anzahl im Hochbeet

Gängige Ollas fassen 1,5 bis 3 Liter für Hochbeete und Kästen, größere Modelle 5 bis 10 Liter für Gartenbeete. Als Faustregel aus vielen Anleitungen versorgt eine Olla einen Umkreis, der etwa ihrem eigenen Durchmesser mal anderthalb entspricht, bei einem 20-Zentimeter-Krug also rund 30 Zentimeter nach jeder Seite. Für ein Hochbeet mit 120 mal 60 Zentimetern Innenmaß sind das zwei Ollas mit 2 bis 3 Litern, bei starkem Wuchs und Südlage eher drei. Rechne lieber mit einer Olla mehr als mit einer zu wenig; in der Hitze zeigt sich schnell, welcher Rand zu kurz kommt.

Ollas einsetzen: Schritt für Schritt

Grabe ein Loch, in das der Krug bis zum Hals passt, und setze ihn so, dass der Rand ein bis zwei Zentimeter über der Erde steht. Drücke die Erde rundherum fest an, damit der Ton überall Kontakt hat; Hohlräume unterbrechen den Wasserfluss. Fülle die Olla, setze den Deckel auf und gieße die Fläche rundherum einmal kräftig von oben, damit die Erde anfangs feucht ist. Pflanzen setzt du in 10 bis 20 Zentimetern Abstand um den Krug. Wurzelgemüse wie Möhren oder Rote Bete gehört nicht direkt daneben, weil es den Ton umwachsen und die Olla beim Ernten beschädigen kann.

Olla selber bauen

Du brauchst zwei unglasierte Tontöpfe gleicher Größe, etwas Silikon oder Fliesenkleber und einen Untersetzer als Deckel. Verschließe das Abzugsloch des unteren Topfs mit einem Korken, einer Tonscherbe oder Silikon. Klebe die beiden Topfränder aufeinander und lass den Kleber einen Tag trocknen. Das obere Loch bleibt als Einfüllöffnung frei. Fülle die fertige Olla vor dem Eingraben mit Wasser und stell sie eine Stunde auf Zeitungspapier: Tropft es nur gleichmäßig durch die Wand und nicht aus der Klebenaht, ist sie dicht genug. Gekaufte Ollas sind meist gleichmäßiger gebrannt und halten länger, selbst gebaute kosten nur wenige Euro.

Nachfüllen, Pflege und Winter

Im Sommer prüfst du den Füllstand alle zwei bis fünf Tage, je nach Größe, Wetter und Bepflanzung. Ein dichter Deckel hält Mücken und Schmutz fern und bremst die Verdunstung. Setzt sich Kalk oder ein Algenfilm ab, bürstest du den Ton nach der Saison ab. Vor dem ersten Frost musst du Ollas leeren oder ausgraben: Gefriert Wasser im Krug, sprengt es den Ton. Im Hochbeet kannst du sie leer und abgedeckt im Boden lassen, wenn keine Staunässe droht, sicherer ist die Winterpause im Keller.

Grenzen: Wo Ollas nicht reichen

Frisch gesäte Flächen und Keimlinge brauchen Feuchtigkeit an der Oberfläche, die eine Olla nicht liefert. Starkzehrer wie Zucchini oder Tomaten ziehen in Hitzeperioden mehr, als ein kleiner Krug nachliefert. Und in sehr sandiger Erde verteilt sich das Wasser weniger weit. Dann kombinierst du Ollas mit Tonkegeln oder einer Tropfbewässerung und gießt in den ersten Wochen nach dem Pflanzen zusätzlich von oben. Als Grundversorgung für Kräuter, Salate, Bohnen und Paprika im Hochbeet sind Ollas dagegen schwer zu schlagen.